GESCHICHTEN AUS DEM LEBEN – HABIBAS BLOG

Regelmäßig berichte ich hier von Themen, die mir in meinen Coachings begegnen und die vermutlich auch andere Menschen beschäftigen. So bekommst du einen Eindruck davon, was alles mit The Work bearbeitet werden kann und welche Lösungsstrategien daraus entstehen können. Vielleicht inspirieren dich diese Geschichten auch, dich selbst auf den Weg zu machen, dein Leben positiv zu verändern. Ich würde mich sehr darüber freuen und wünsche dir viel Spaß beim Stöbern!

DU SOLLST MICH LIEBHABEN!

Versuch mal mitzuzählen: Wie viele „Du sollst…“-Sätze denkst oder sagst du so am Tag? Aber selbst, wenn du aussprichst, was der andere soll – es wird dich nicht glücklich machen. Stattdessen kostet es dich Energie, weil du dich ärgerst oder irgendwann an dir zweifelst. Statt dir jetzt diese Sätze zu verbieten, möchte ich dir ans Herz legen, die Mechanismen hinterm „Du sollst…“ zu verstehen. Klick rein und erlebe ein Aha.

Gute Ratschläge oder Wünsche haben wir eigentlich immer – und für alle! Und über ihre Wirkung auf DICH möchte ich heute schreiben.

In meinen Seminaren beginne ich manchmal so: Nimm dir jetzt eine Minute und schreibe einfach mal drauf los, so unbefangen wie damals als Grundschulkind. Da hat es sich vielleicht so angehört: Mama soll mir ein Eis kaufen, Zeit für mich haben. Papa soll mir was vorlesen, mir die Milch aus dem Kühlschrank holen. Mein*e Freund*in soll mit mir spielen… Im Erwachsenalter hört sich das dann zum Beispiel so an: Sie soll freundlicher sein. Er soll nicht so egoistisch handeln. Mein Chef soll gelassener reagieren. Mein Vater soll sich besser um sich kümmern. Meine Mutter soll nicht so viele Erwartungen haben. Oder auch: Er sollte nicht so nah auffahren, rücksichtsvoller sein… und so weiter und so fort.

All diese Ratschläge kommen oft automatisch und hören sich erst Mal wie gute Ideen an. Aber tragen sie wirklich zu unserem Frieden bei? Was passiert, wenn wir wollen, dass etwas anders ist oder die Menschen anders sein sollen – während sie so sind, wie sie gerade sind?

DAS GEFÜHLSLEBEN DER ‚SOLL’-GEDANKEN

Ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen, die du so ähnlich vielleicht auch kennst: Meine Klientin ist aufgebracht. Sie sagt: „Eben gerade, da war wieder so eine typische Situation mit meinem besten Freund. Ich fühle mich dann immer so allein.“ Sie gerät ins Stocken. Ich ermutige sie weiterzuerzählen. „Es ist wirklich ein richtig guter Freund, wir hatten endlich einen Termin zum Telefonieren gefunden und ich hab’ mich tierisch drauf gefreut. Und dann ist Max einfach total komisch, so kurz angebunden. Es würde ja schon reichen, wenn er freundlich wäre, das ist doch einfach das Mindeste.“ Genau das ist ihr Wunsch: Er sollte freundlicher sein. Das ist doch ein positiver Gedanke. Klingt doch erst mal gut. Warum fühlte sie sich trotzdem nicht gut damit?

Lass uns gemeinsam mit meiner Klientin auf die Reise gehen und erforschen, was passiert. Dafür nutze ich die Fragetechnik von The Work mit ihren 4 Fragen und den Umkehrungen.
Ich frage: „Max sollte freundlicher sein. Ist das wahr?“ „JA“, kommt es voller Überzeugung aus ihr heraus.
„Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?“ Sie überlegt, dann kommt: „Nein. Wenn er eh gerade nicht zuhören kann, bringt es für uns beide wenig, jetzt zu telefonieren!“
„Jetzt lass uns mal weiter erforschen, wie dieser Gedanke dich beeinflusst: Wie reagierst du genau in dem Moment mit ihm am Telefon, wenn du glaubst Max sollte freundlicher sein?“ Sie schiebt sich in den Sessel, als ob sie gern darin versinken würde, senkt den Kopf und sagt: „Ich fühle mich ein bisschen zurückgewiesen, unwichtig, fühle mich allein. Gleichzeitig ist da Ärger. Ich fange an ihn innerlich zu kritisieren, erinnere mich an Momente mit ihm – und auch anderen Menschen – die so ähnlich waren.“ Sie pausiert, überlegt. „Ich ziehe mich innerlich zurück, ich bin nicht mehr so offen für ihn. Denke: Dann rufe ich erstmal nicht mehr an! Ich muss zugeben, ein stückweit zweifle ich in dem Moment sogar an unserer Freundschaft.“

Ein Gedankenkarussell und Emotionen werden bei bei bestimmten Triggern in Gang gesetzt. Zwischenmenschliche Alltagssituationen, wie hier das Telefonat meiner Klienten, kommen häufig auch in meinem Lift-Up für Beziehungen auf den Tisch. Oft gelangen diese kritischen Gedanken nach einer Weile an den Punkt, an dem sie die wichtigste Person in deinem Leben verurteilen: Dich. ‚Mag er mich nicht mehr? Hab’ ich was falsch gemacht?’ Wenn diese ganze Grübelkette mal ausgesprochen ist, kannst du sie bewusst hinterfragen und den ewigen Kreislauf durchbrechen. Das hat auch meine Klientin ziemlich schnell geschafft.

SEINS IST NICHT MEINS

Weiter mit ihrer Geschichte: „Eine Frage“, sage ich, „in wessen Angelegenheit befindest du dich, wenn du denkst, er sollte freundlicher sein?“ „Wie? Ja schon in meiner, das betrifft mich ja.“ Ich frage sie: „Wessen Angelegenheit ist es, wie freundlich du reagierst?“ „Ja, das ist eindeutig meine, das kann ja nur ich selbst entscheiden.“
„Wessen Angelegenheit ist es, wie freundlich er reagiert?“ „Hmm… wenn ich das jetzt so anschaue, dann ist das wohl seine. Aber ich bin doch auch davon betroffen. Gibt es nicht sowas wie unsere Angelegenheit?“ „Kannst du denn letztlich beeinflussen, dass er freundlich ist? … Du könntest ihn fragen oder bitten. Aber machen, kann es nur er selbst.“ „Also wenn ich das so betrachte: Stimmt, es ist seine Angelegenheit.“

Wenn wir uns auf diese Weise gedanklich in den Angelegenheiten des anderen befinden, dann fühlt sich das immer alleine, einsam oder hilflos an. Ein bisschen wie ausgeliefert. Das liegt daran, dass wir – auch wenn wir uns das gedanklich vorstellen – im Leben des anderen nicht wirklich etwas ausrichten können. Wir können nicht ihr Leben leben. Tun das aber, wenn wir denken: ‚Er oder sie sollte…!’ Und noch dazu kommt: In diesem Moment sind wir auch nicht mehr bei uns ‚zuhause’. Das alles lässt uns immer frustriert und hilflos zurück.

DU SOLLST… WAS NOCHMAL?

Lass uns mal zur nächsten Frage von The Work gehen: „Wer wärest du in der gleichen Situation mit Max am Telefon ohne den Gedanken ‚Er sollte freundlicher sein.’?“ „Ich bin gelassen, mehr bei mir, mag ihn weiterhin und unsere Freundschaft bleibt meinerseits total intakt. Ich bleibe gut gelaunt und da ist keinerlei Störung nach dem Auflegen. Wow. Ich fühle mich wieder klar und zentriert. Das kann ich sogar im Körper spüren! Und ja, es ist wirklich sehr gut möglich, dass er vielleicht nur ganz schön in seinem ‚Film’ war. Ich weiß ja, dass er beruflich gerade ganz schön gefordert ist.“ Sie strahlt mich an.
Bei den Umkehrungen findet sie noch anderes heraus: Wenn sie selbst in dem Moment freundlicher zu sich selbst ist und auch gelassen zu ihrem Freund sein kann, dann fühlt sich das handlungsfähig und frei an. Sie behält dann auch den Draht zu ihren Bedürfnissen und kann sie klar anbringen.

SO ERSCHRECKEND, SO GUT

Als kleines Experiment vereinbaren wir, dass sie für die nächsten drei Tage mal ganz gezielt darauf achtet, wie oft die ‚sollte’-Sätze bei ihr kommen und sie sich damit von sich selbst wegbewegt. Das hat sie gemacht und war schockiert, wie oft sie denkt und auch sagt: ‚Er oder sie sollte dies oder jenes tun!’ Viel häufiger als ihr guttut. Spannend war für sie auch zu bemerken, wie sie bei diesen Gedanken immer ein wenig angespannt war. Wie sich das Gefühl einsam zu sein zurückmeldete. Und wie allein die Überlegung ‚Ist das jetzt meine Angelegenheit oder nicht?’ ihr geholfen hat, der Gedankenspirale tschüss zu sagen. Unbeschwert und happy sein – das hat jetzt mehr Platz in ihrem Leben.

Hinter diesem simplen Beispiel aus dem Alltag steckt so viel Potenzial zu mehr Freude im Leben. Hast du Lust, deine unbewussten Glaubenssätze ans Licht zu befördern und dich frei zu machen von all diesen unsichtbaren Blockaden, die dich zu oft davon abhalten glücklich zu sein? Dann komm doch mit auf das Retreat in Portugal, wo wir intensiv mit The Work und Pferde-gestütztem Coaching an deinen Themen arbeiten. Und von dem schon viele Teilnehmer*innen beflügelt zurückkamen.

Liebe Grüße,
Habiba

PS: Hier ein Video, das wir im letzten Sommer in Portugal gedreht haben.

© Habiba Christiane Pierau   thework@habibapierau.de  +49 179 696 72 75 

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